//

Grußwort Dr. Dorit Stenke zum 8. Mai 2026

Grußwort Dr. Dorit Stenke  zum 8. Mai 2026

Sehr geehrter Herr Stahn, 

sehr geehrter Herr Professor Scheffran,

sehr geehrte Damen und Herren,

der 8. Mai 1945 ist als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus in die Geschichte eingegangen. Millionen Menschen verloren in den Weltkriegsjahren ihr Leben: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Regimekritiker, Kriegsgefangene – systematisch verfolgt, verschleppt, entrechtet und ermordet. Auch in Gudendorf.

Auf dem heutigen Ehrenfriedhof erinnern Sie an das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die hier zwischen 1941 und 1945 den gewaltsamen Tod durch die deutsche Wehrmacht fanden. 

Dass Sie sich mit der Initiative „Blumen für Gudendorf“ seit über 40 Jahren um diese Gedenkstätte bemühen, ist von unschätzbarem Wert. Es wird immer schwerer, die Vergangenheit wach zu halten, da Zeitzeuginnen und -zeugen verschwinden. Doch wir müssen es tun: erinnern, gedenken, mahnen – aktiv, eindringlich und unaufhörlich. Niemals dürfen wir vergessen, was im Nationalsozialismus geschehen konnte. Nur das Gedenken hält die Erinnerung wach.

Die NS-Verbrechen sind keine abstrakten Ereignisse: Sie wurden von Menschen begangen und waren doch zutiefst unmenschlich. Jedes verlorene Leben muss uns eine ewige Mahnung sein, dass Humanität und Barbarei nebeneinander existieren können – und uns zwingen, eine bewusste Entscheidung für das Menschliche zu treffen. Dieser Ort fordert uns ganz besonders auf, hinzusehen, wenn Unrecht geschieht – nicht erst im Rückblick, sondern im Hier und Jetzt. 

Denn heute stehen die demokratischen Werte unseres Zusammenlebens erneut unter Druck: Antisemitismus und Rassismus wachsen, wenn ihnen nicht widersprochen wird. Gedenken heißt deshalb auch, Verantwortung zu übernehmen. Für unser Miteinander, für eine offene Gesellschaft, für den Respekt vor der Würde jedes einzelnen Menschen.

Gudendorf gehört zu den zahlreichen Erinnerungsorten in Schleswig-Holstein, deren jahrelanges Engagement weit wirkt: So wurde Irmgard Jasker für ihre ehrenamtlichen Leistungen im Oktober letzten Jahres von unserem Ministerpräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt – eine Auszeichnung, zu der ich herzlich gratuliere, spiegelt sie doch unsere Wertschätzung für die gute Bildungsarbeit, die in und für Gudendorf geleistet wird.

Wichtige Impulse gehen von Ihrer Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule Meldorf aus. Nach dem Medienkompetenzpreis 2023 für den gemeinsam realisierten Film „Der Korbflechter aus Kirow“ wurde im vergangenen Jahr der Film „Frau Margarete“ des zehnten Jahrgangs im Rahmen des Heider Kurzfilmfestivals „Kunstgriff Rolle“ mit dem ersten Platz des Publikumspreises ausgezeichnet. 

Ihre Erinnerungsarbeit gibt vielen Jugendlichen Anregungen und eine Orientierung, die heute wichtiger denn je erscheint. Und sie führt uns zu der Erkenntnis, dass Frieden und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder erkämpft und verteidigt werden müssen. 

Für dieses beständige Engagement, diese klare Haltung und den Mut, auf das Menschliche zu vertrauen, gebührt Ihnen und allen Beteiligten mein ausdrücklicher Dank und meine große Anerkennung – auch im Namen des Landes. 

Ich wünsche Ihnen und uns, dass Sie Ihre Arbeit noch viele weitere Jahre fortsetzen können. Alles Gute.

Ihre Dr. Dorit Stenke

Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

 

Gedenkrede Prof. Dr. Scheffran 8. Mai 2026

Gegen das Vergessen: die Geschichte darf sich nicht wiederholen!

 

Jürgen Scheffran, Rede zum 8. Mai 2026 in der Gedenkstätte Gudendorf

 

Sehr geehrter stellvertretender Kreispräsident Dietrich, sehr geehrter Bürgermeister Höfs, lieber Herr Stahn, liebe Gäste

Am heutigen 8. Mai erinnern wir an das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Tag der Befreiung vom Faschismus in Europa vor 81 Jahren. Im pazifischen Raum wütete der Krieg noch bis zum 2. September 1945 weiter. Kurz zuvor hatten die USA mit den Atombombenabwürfen am 6. und 9. August die Städte Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleichgemacht, zehntausende von Menschen verglühten im Bruchteil einer Sekunde. Dieser Krieg kostete weltweit über 65 Millionen Menschen das Leben, mehr Zivilisten als Soldaten in Kampfhandlungen. Ich habe diesen Krieg nicht selbst erlebt und kenne ihn nur aus Erzählungen meiner Eltern, die als Kinder aus verschiedenen Teilen Europas flüchteten, dabei Fliegerangriffen und der Versenkung der Wilhelm Gustloff in der Ostsee entkamen, der größten Schiffskatastrophe der Geschichte. Der Schwur der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald wurde zum Appell „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!“. Diese Botschaft ist heute so wichtig wie damals.

Am 22. Juni 2026 erwarten wir den 85. Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion. Geleitet durch die Blut-und-Boden-Ideologie vom „Lebensraum im Osten“ für die deutsche „Herrenrasse“ gegen jüdische und slawische Menschen hinterließen Wehrmacht und SS auf dem Weg nach Osten durch Polen, die Ukraine und Russland eine Spur der Verwüstung. Die Strategie der verbrannten Erde traf Menschen, Dörfer, ganze Landstriche, ermordete Millionen oder schickte sie in Konzentrationslager. Insgesamt wurden etwa 27 Millionen Menschen in der Sowjetunion Opfer des deutschen Vernichtungskrieges, soviel wie in keinem anderen Land.

Weiterlesen: Gedenkrede Prof. Dr. Scheffran 8. Mai 2026

Gudendorf 8. Mai 2026, 15 Uhr

Am 8. Mai 2026 wird an den 81. Jahrestages der Befreiung von Krieg und Faschismus erinnert. Der Gedenktag fällt in eine bedrückende Zeit von Kriegen, Vertreibung, Zerstörung und entsetzlichen vielen Toten. Gerade Gedenkorte wie Gudendorf zeigen, wohin Krieg, völkischer Nationalismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit führen können. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam und solidarisch für Frieden, Demokratie und für eine offene und kritische Erinnerungskultur einzutreten.
Wir laden alle Interessierte ein, an der Gedenkveranstaltung am Mahnmal Gudendorf am 8. Mai 2026, 15 Uhr teilzunehmen (Flyer).

Gedenkrede 9. Mai 2025 Gudendorf

Gedenkrede Gudendorf 2025

Von Dr. Horst Leps

(In der Gedenkstätte Gudendorf1 am 08. Mai 2025, überarbeitet)

Sehr geehrter Herr Landrat Schütt2, sehr geehrter Herr Bürgermeister Höfs3, sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Anwesende, vor allem die Schulleitung und die Lehrerinnen und Lehrer der Gemeinschaftsschule Meldorf4.

Sie haben ja gehört, dass ich von Beruf Lehrer und Didaktiker für den Politikunterricht war. Ich werde etwas über Schulunterricht zum Frieden sagen. Jedoch: Wenn ich mir ansehe, was die Gemeinschaftsschule Meldorf an dieser Gedenkstätte geleistet hat, pädagogische Meisterarbeit, muss ich mich eigentlich erst einmal von dieser Schule über praktische Friedenserziehung informieren lassen5. Eine Frage: Haben Sie dazu in erziehungswissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht? Damit diese Arbeit als vorbildlich wahrgenommen werden kann?

In meinem Vortrag geht es um ein Denkmodell für den Unterricht im Klassenzimmer, das sich ebenso gut für Erwachsene eignet. Man kann mit ihm über einen zukünftigen Frieden des gegenwärtigen russisch-ukrainischen Kriegs nachdenken.

Ich zitiere aus dem Aufruf für diese Gedenk-Veranstaltung6:

„Wir gedenken der vielen Millionen Menschen, die im 2. Weltkrieg und den vielen Kriegen danach – bis in die aktuelle Gegenwart – ihr Leben verloren haben. Diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik abzulehnen. …

An unsere Regierung richten wir den Appell, alle diplomatischen Mittel zu nutzen, um auf eine Beendigung der Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu drängen und Friedensverhandlungen zu beginnen. …

Weiterlesen: Gedenkrede 9. Mai 2025 Gudendorf

Gudendorf: 80 Jahre Kriegsende

Frieden jetzt?!
Am 8. Mai 2025 wird an den 80. Jahrestages der Befreiung von Krieg und Faschismus erinnert. Gedenkorte wie in Gudendorf zeigen, wohin völkischer Nationalismus, Antisemitismus,, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit führen können. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam und solidarisch für Demokratie und für eine offene und kritische Erinnerungskultur einzutreten.
Wir laden alle Interessierte ein, an der Gedenkveranstaltung am Mahnmal Gudendorf am 8. Mai 2025, 15 Uhr teilzunehmen. Aufruf2025