Lichter gegen Dunkelheit

Die Schicksale sowjetischer Kriegsgefangener beleuchten

Die Initiative „Blumen für Gudendorf“ lädt ein, sich am Internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2020 - 75 Jahre nach der Befreiung der Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz - an einer modernen Form des Gedenkens, einem Beleuchtungsflashmob der deutschen Gedenkstätten zu beteiligen. Die jeweiligen Orte werden ab 17 Uhr beleuchtet werden, die Aktion dokumentiert und umgehend über soziale Netzwerke digital öffentlich gemacht. 

Auf Initiative der Berliner Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz Potsdam“ werden ab 17 Uhr viele Gedenk- und Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus illuminiert und auf die Website www.lichter-gegen-dunkelheit.de aufgenommen. 

Die Gedenkstätte für Kriegsgefangene aus der ehemaligen Sowjetunion in Gudendorf wird am 27. Januar ab 17 Uhr mit Kerzen illuminiert. Diese  Aktion in Gudendorf findet unter dem Motto „Die Schicksale sowjetischer Kriegsgefangener beleuchten“ statt. Nach einer Begrüßung durch den Bürgermeister Werner Höfs werden Benno Stahn und Dr. Dietrich Stein sprechen. Danach werden drei von Georg Gerchen recherchierte Kriegsgefangenen-Biografien von Schülern/innen verlesen.

Das Projekt „Lichter gegen Dunkelheit“ soll die Pluralität von Gedenk-und Erinnerungsorten zum Ausdruck bringen und mit Blick auf das Gedenkjahr 2020 einleuchtend darauf hinweisen, welche Bedeutung sie als Orte und Träger einer demokratischen Gedenk- und Erinnerungskultur haben. Flyer

 

 

Offfener Brief von Esther Bejarano

Esther Bejarano schreibt einen offenen Brief an den Bundesminister der Finanzen                                      25. November 2019

Sehr geehrter Herr Minister Scholz,

seit 2008 bin ich die Ehrenvorsitzende der VVN–BdA, der gemeinnützigen Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, gegründet 1947 von Überlebenden der Konzentrationslager und NS-Verfolgten. Die Arbeit der Antifa, die Arbeit antifaschistischer Vereinigungen ist heute – immer noch – bitter nötig. Für uns Überlebende ist es unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt, wenn jüdische Menschen und Synagogen angegriffen werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren und extreme Rechte nicht mal mehr vor Angriffen gegen Vertreter des Staates zurückschrecken.

Wohin steuert die Bundesrepublik?

Das Haus brennt – und Sie sperren die Feuerwehr aus!, wollen der größten und ältesten antifaschistischen Vereinigung im Land die Arbeit unmöglich machen? Diese Abwertung unserer Arbeit ist eine schwere Kränkung für uns alle. 

"Die Bundesrepublik ist ein anderes, besseres Deutschland geworden", hatten mir Freunde versichert, bevor ich vor fast 60 Jahren mit meiner Familie aus Israel nach Deutschland zurückgekehrt bin. Alten und neuen Nazis bin ich hier trotzdem begegnet. Aber hier habe ich verlässliche Freunde gefunden, Menschen, die im Widerstand gegen den NS gekämpft haben, die Antifaschistinnen und Antifaschisten. Nur ihnen konnte ich vertrauen. 

Wir Überlebende der Shoah sind die unbequemen Mahner, aber wir haben unsere Hoffnung auf eine bessere und friedliche Welt nicht verloren. Dafür brauchen wir und die vielen, die denken wie wir, Hilfe! Wir brauchen Organisationen, die diese Arbeit unterstützen und koordinieren. 

Nie habe ich mir vorstellen können, dass die Gemeinnützigkeit unserer Arbeit  angezweifelt oder uns abgesprochen werden könnte! Dass ich das heute erleben muss! Haben diejenigen schon gewonnen, die die Geschichte unseres Landes verfälschen wollen, die sie umschreiben und überschreiben wollen? Die von Gedenkstätten 'als Denkmal der Schande' sprechen und den NS-Staat und seine Mordmaschine als 'Vogelschiss in deutscher Geschichte' bezeichnen? 

In den vergangenen Jahrzehnten habe ich viele Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, jetzt gerade wieder vom Hamburger Senat eine Ehrendenkmünze in Gold. Mein zweites Bundesverdienstkreuz, das Große, haben Sie mir im Jahr 2012 persönlich feierlich überreicht, eine Ehrung für hervorragende Verdienste um das Gemeinwohl, hieß es da. 2008 schon hatte der Bundespräsident mir das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse angeheftet. Darüber freue ich mich, denn jede einzelne Ehrung steht für Anerkennung meiner – unserer – Arbeit gegen das Vergessen, für ein "Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus", für unseren Kampf gegen alte und neue Nazis. 

Wer aber Medaillen an Shoah-Überlebende vergibt, übernimmt auch eine Verpflichtung. Eine Verpflichtung für das gemeinsame NIE WIEDER, das unserer Arbeit zugrunde liegt. 

Und nun frage ich Sie:

Was kann gemeinnütziger sein, als diesen Kampf zu führen? 

Entscheidet hierzulande tatsächlich eine Steuerbehörde über die Existenzmöglichkeit einer Vereinigung von Überlebenden der Naziverbrechen?

Als zuständiger Minister der Finanzen fordere ich Sie auf, alles zu tun, um diese unsägliche, ungerechte Entscheidung der Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Arbeit der VVN–BdA rückgängig zu machen und entsprechende Gesetzesänderungen vorzuschlagen. 

Wir Überlebenden haben einen Auftrag zu erfüllen, der uns von den Millionen in den Konzentrationslagern und NS-Gefängnissen Ermordeten und Gequälten erteilt wurde. Dabei helfen uns viele Freundinnen und Freunde, die Antifaschistinnen und Antifaschisten – aus Liebe zur Menschheit! Lassen Sie nicht zu, dass diese Arbeit durch zusätzliche Steuerbelastungen noch weiter erschwert wird. 

Mit freundlichen Grüßen

Esther Bejarano

Vorsitzende

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 

Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – 

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Gemeinnützigkeit VVN-BdA

Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die VVN- BdA ist - wie schon zuvor bei Attac und Campact - der Versuch, linkes und bürgerschaftliches Engagement finanziell auszutrocknen und damit politisch handlungsunfähig zu machen. Das dürfen wir nicht unwidersprochen hinnehmen, zumal es auch andere gemeinnützig tätige Organisationen und Vereine treffen kann.

Die Initiative Blumen für Gudendorf hat die folgende Erklärung verabschiedet

Trauer um Günther Wilke

Trauer um Günther Wilke

Günther war Gründungsmitglied der Initiative Blumen für Gudendorf (Gedenkstätte Gudendorf) und lebte in Wedel. Der verdiente Journalist und Chronist setzte sich als aufrechter Kommunist und Antifaschist ein für die Aufarbeitung der NS-Gewaltherrschaft. Ihm war dauerhafter Frieden Herzensangelegenheit, besonders zwischen Deutschland und Russland. Wir trauern mit seiner Frau Marianne und der ganzen Familie. Wir vermissen Günther, seine Toleranz und freundschaftstiftende ruhig-sachliche Art, seinen Einsatz für Menschenwürde und Menschlichkeit.

Für die Initiative: Benno Stahn und Gundel Orth, Bernd Frohböse, Georg Gerchen, Werner und Ingrid Höfs, Irmgard und Wolfram Jasker, Jan Rambke, Hans Starp, Dieter und Martina Stein, Jens und Anneliese Thomsen, Gerd Wohlenberg

Gedenkrede Dr. Reimer Möller 4.5.2019

Reimer Möller

Gedenkrede am 4.5.2019 auf dem russischen Ehrenfriedhof Gudendorf

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesen Tagen vor 74 Jahren endete die Herrschaft des Nationalsozialismus, nachdem sich die Rote Armee bis in den Garten der Reichskanzlei in Berlin, die US-Armee an den Alpenrand und die britische Armee bis auf den Rathausmarkt in Hamburg vorgekämpft hatten. Am 7.5.1945 marschierte die 7th armoured Division der britischen Armee auf der Reichsstraße 5 über die Kanalbrücke bei Grünenthal nach Dithmarschen ein.

Für die rund 250 sowjetischen Soldaten, die auf diesem Friedhof begraben sind, kam die Befreiung zu spät. Sie haben ihre Kriegsgefangenschaft in Schleswig-Holstein nicht überlebt. 

Da ja in der NS-Ideologie die Bevölkerung der Sowjetunion als große politische und rassische Gefahr galt, ließ die Wehrmacht ihre sowjetischen Kriegsgefangenen zunächst an Versorgungsmängeln zugrunde gehen. Dies auch in Norddeutschland, und zwar in den sogenannten „Russenlagern“ der Lüneburger Heide Fallingbostel (Stalag XI B), Wietzendorf (Stalag X D (310)) und Oerbke (Stalag XI D (421)). Die Zahl der Opfer beläuft sich für Fallingbostel und Oerbke auf 30000-40000 Tote bzw. 16000 Tote für Wietzendorf.

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