Die Initiative "Blumen für Gudendorf" 

 

Um den Ehrenfriedhof Gudendorf zu erhalten und die Stätte nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen, hat sich 1983 ein Kreis von Personen aus der antifaschistischen und der Friedensbewegung Schleswig-Holsteins gegründet, der sich in Anlehnung an eine Gruppe um das größte Massengrab für sowjetische Kriegsgefangene in Stukenbrock (Ostwestfalen) „Initiative Blumen für Gudendorf“ nennt. Ihm schlossen sich nach und nach auch immer mehr Einwohner aus Dithmarschen an. 

Alljährlich um den 8. Mai veranstaltet die Initiative auf dem Gudendorfer Ehrenfriedhof eine Mahn- und Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Toten, die Verbrechen des NS-Regimes und als Aufruf zu Frieden und Völkerverständigung.

Nach wie vor bemüht sich die Initiative auch um das Auffinden von Zeitzeugen und um die Sammlung von Fakten und Dokumenten, die das furchtbare Verbrechen aufklären. Diese Gedenkstättenarbeit ist aus wissenschaftlichen und politischen Gründen notwendig, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann aus ihr für die Zukunft lernen.

Die Initiative "Blumen für Gudendorf" ist Gründungsmitglied der "Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte Schleswig-Holstein e.V. - LAG SH".


Aufruf zur Mahn- und Gedenkfeier in Gudendorf!

Unsere Gedenkveranstaltung findet jedes Jahr im Frühjahr in Erinnerung an die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter auf dem Ehrenfriedhof Gudendorf statt. Der 30. Januar 1933 wurde zum schwärzesten Tag der deutschen und europäischen Geschichte. Er war der Beginn eines Terrorfeldzuges gegen die politische Opposition des eigenen Landes und läutete die Knechtung und Unterdrückung anderer Völker ein. Er war der Auftakt zu einer gigantischen Rüstung, deren Ziel es war, andere Länder zu überfallen und zu vernichten.

Zu den Opfern, derer wir alljährlich gedenken, gehören die in Massengräbern beerdigten sowjetischen Kriegsgefangenen, zu deren bleibender Erinnerung ein Mahnmal geschaffen wurde , an dem wir unsere Blumen niederlegen und unsere Entschlossenheit betonen, die Lehren der Geschichte zu beherzigen, die die Überlebenden der Konzentrationslager in der Losung zusammenfassten: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Die leidvolle Geschichte bleibt gegenwärtig und muss immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden, weil deutsche Soldaten schon wieder an Kriegseinsätzen teilnehmen, obwohl unsere Bundeswehr nur den Verfassungsauftrag hat, unser Land gegen äußere Feinde zu verteidigen. Auslandseinsätze der Bundeswehr ziehen uns immer tiefer in Kriege hinein, obwohl sich drei Viertel der deutschen Bevölkerung für die Beendigung dieser Kriege und den Rückzug unserer Streitkräfte aussprechen. An den Kriegsgräbern betonen wir unseren unverbrüchlichen Friedenswillen.

Darüber hinaus erheben wir unsere Stimme, um vor dem Anwachsen von Rechtsextremismus und Neofaschismus zu warnen. Die Leugnung von Holocaust und NS-Verbrechen , die Verhöhnung der Opfer, wie von NPD-Landtagsabgeordneten in aller Öffentlichkeit erfolgt, fordert den Widerstand aller friedliebenden und demokratischen Kräfte in unserer Gesellschaft.

Noch immer beklagen wir die Tatsache, dass der größte Teil der in den Massengräbern liegenden Opfer des NS-Terrors unbekannt ist. Die Täter nahmen ihnen ihre Identität. Wir wollen nicht eher ruhen, als bis der letzte dieser Opfer seinen Namen wiederbekommen hat.

Die Initiative „Blumen für Gudendorf“ ruft zur Mahn- und Gedenkkundgebung auf. Unser besonderes Anliegen ist es, das Gedenken an die Opfer wachzuhalten. Es muss eine Zukunft geschaffen werden, in der kein Raum ist für Krieg und Faschismus, sondern nur für Völkerverständigung, Frieden und Demokratie.

Kontakte:

Dr. Dietrich Stein, Windbergen, Tel. 0 48 57 / 5 86 

Benno Stahn, Kiel, Tel. 04 31 / 69 01 67 

Irmgard Jasker, Wedel, Tel. 0 41 03 / 33 86

Georg Gerchen, Hemstedt, Tel. 0 48 36 / 81 24